
Text zur Ausstellung „ der Garten zum Quadrat“ im Museum Pfalzgalerie, Kaiserslautern, 2011
Dr. des. Svenja Kriebel M.A.
Leiterin Sammlung Angewandte Kunst / Marketing / Museumspädagogik
Der Garten ist, laut Lexikon, ein Stück Land, das durch eine Mauer, einen Zaun oder eine Hecke begrenzt wird. Eine abstrakte Definition, die sich vor allem auf den Raum, auf die Umfriedung, die Grenze bezieht. Juliane Laitzsch fragt mit ihren Arbeiten nach dem Davor und Dahinter, dem Übergang von einem Raum zum nächsten. Eine Form diese Übergänge zu fassen ist das Ornament. Ein gutes Beispiel hierfür liefern ornamentierte Holzrahmen. Sie sind nicht allein schmückende Begrenzungen eines Bildes, sondern setzen es auch in ein Verhältnis zur Wand, kennzeichnen den Übergang, schaffen sowohl Nähe als auch Distanz. In der zeichnerischen Umsetzung und der variierenden Aneignung von Ornamenten vergeht nicht allein die eigene Schaffenszeit, sondern es setzt zwangsläufig eine Auseinandersetzung mit einer langen Tradition ein. Ornamente gehören schließlich zu den ältesten Ausdrucksformen des Menschen.
Im mpk hat Juliane Laitzsch sich auf ein Experiment eingelassen. Ausgangspunkt der hier vorgestellten Zeichnungen ist die kunsthandwerkliche Sammlung des Hauses. In der Berührung von Bildender und Angewandter Kunst verbinden sich die Wurzeln des Museums, das ursprünglich als Kunstgewerbemuseum gegründet worden ist, mit seiner aktuellen Tätigkeit zeitgenössische Kunst auszustellen. Im unmittelbaren Dialog beider zeigen die Zeichnungen zugleich die sensible Aufnahme von Traditionen sowie einen neuen Blick auf das Alte. Laitzsch hat unabhängig von jeglicher kunsthistorischen Betrachtungsweise Objekte aus unterschiedlichen Epochen ausgewählt. Traditionen wachsen demnach nicht linear sondern eher gewebeartig. Umgekehrt legen die Zeichnungen in ihrem realen Bezug einen Zugang zu zeichnerischer Überlegungs- und Vorgehensweise.
Naive Streublümchen, die naturalistisch anmutende Wiedergabe von Blumenbouquets oder die fast bis zur Linie reduzierten Gewächse, die sich auf Krügen, Porzellantellern und Gläsern in der Sammlung finden, führten zu einer erneuten Auseinandersetzung mit dem Garten. Die Vorstellung des Gartens ist dabei sowohl gezähmt als auch „künstlich zugerichtet“. Herbarien waren die Vorbilder für eine geordnete Wiedergabe der gebändigten Natur. Juliane Laitzsch setzt diesen Prozess fort, setzt sich mit dem Abbild vom Abbild auseinander. Eine der möglichen Übersetzungen des Titels – der Garten zum Quadrat.
Als Zeichnerin befasst sie sich mit dem Bild, der Vorstellung vom Garten und reflektiert dabei auch ihr Selbstverständnis als Zeichnerin. Ganz ähnlich wie ein Garten wächst, entstehen die Zeichnungen im Spannungsfeld von geplant und geworden. Laitzsch ist als Zeichnerin also eine Gärtnerin. Das Feld auf dem sie arbeitet ist unsere Art und Weise zu denken und im Denken Neues zu entwickeln: „Es gilt unseren Garten zu kultivieren“ (Voltaire).
Bei dem Versuch, dem Gartendekor die Lebendigkeit über die intensive zeichnerische Auseinandersetzung zurück zugeben und in der Variation ihrer Herangehensweisen zu den Objekten, erhalten auch die Gegenstände ihr Verhältnis zu gelebter Zeit zurück. Zeit und Aufmerksamkeit, die sich im Sinne von Sammeln und kulturhistorischer Forschung besonders im Museum findet.

Juliane Laitzsch | Berlin | mail@ juliane-laitzsch • de








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